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Tauschbörsen (P2P-Dienste) Stand: 2003-12-12

(Hinweis: Seite im Querformat drucken, wegen einiger recht breiter Grafiken!)

Sich in Tauschbörsen zu tümmeln scheint ein neuer Volkssport über Generationengrenzen hinweg zu sein.
Die modernen Sammler und Jäger laden vor allem digitalisierte Musik, Filme und Bilder aus dem Internet und stellen "eigenes" Material anderen zur Verfügung. 

Was macht den Erfolg von Tauschbörsen aus?
Kazaa Schauen wir uns dies am Beispiel von "KaZaA" einmal an:
Nachfolgend sehen Sie das Ergebnis einer Suchabfrage "über alles". 102 Audio- und Video-Dateien wurden gefunden.
Diese 102 Dateien sind nur ein winziger Bruchteil von dem, was alle Benutzer, die gerade online sind (3,9 Millionen), auf all ihren Festplatten in Summe zu bieten haben (772 Millionen !!! ).
Gerade für Musikdateien bestehen leistungsstarke Suchoptionen (wie Titel, Künstler, Album oder Kategorie).
Auch Kombinationen wie "Suche alle Titel auf dem Album XY vom Künstler YX" sind möglich.
Wer es nicht schafft die Top-Ten aus der aktuellen Hitparade zu finden, macht etwas falsch.
KaZaA Suchergebnis

Klickt man auf einen der Treffer wird die Datei geladen. Je nach Bandbreite (zwischen 1 für "extrem lahm" und 715 für "sauschnell") kann die Downloadzeit einer MP3-Musik-Datei auch schon einmal kürzer als deren Spielzeit sein. Ist eine Datei bei mehreren Benutzern vorhanden, werden Dateiteile beim Empfänger wie ein Puzzle zu einem Ganzen zusammengesetzt. Werden andere Benutzer auf der eigenen Festplatte fündig, werden umgekehrt die Dateien oder Teile davon per Upload übertragen. Es handelt sich ja schließlich um eine Tauschbörse!
Kazaa, Down- & Upload

Es ist also 
die einfache Handhabung und 
das umfangreiche Angebot von Tauschbörsen
was sie so beliebt machen.

Dazu kommt die steigenden Zahl von Breitbandzugängen ins Internet.
Ende der 90er Jahre konnte sich auch Otto Normalsurfer einen Breitbandzugang ins Internet leisten. Dank DSL werden in der Praxis Übertragungsraten möglich, die um mehr als Faktor 10 schneller sind als mit analogen Modems oder mit ISDN. Nichtmals neue Leitungen sind nötig, da DSL-Signale im "Huckepack" über die vorhandenen Telefonleitungen gehen, ohne diese zu stören.
So kann man immer telefonieren und dabei gleichzeitig mit Flatrate-Tarifen rund um die Uhr im Internet sein. 

Um die gewonnene Brandbreite "auch ausnutzen" zu können , entstand ein neuer "Volkssport", dessen Fans in allen Ländern zu Hause sind:
Musik, Filme, Software, Videospiele, Bilder und alles andere, was sich als Datei anlegen lässt, werden in Internet-Tauschbörsen zum gegenseitigen Downloaden angeboten. Man spricht auch von Peer-to-Peer-Diensten (Kürzel: P2P).

Ergebnis: Verluste für die Unterhaltungsindustrie
Während immer mehr CD-Brenner in Haushalten stehen, die Verkaufszahlen von CD-Rohlingen, DVD- und MP3-Player stetig steigen,
werden immer weniger Tonträger (CD, Musikkassetten) verkauft. Auch der Filmindustrie geht es mehr und mehr an den Kragen, denn auch die Zahl der Breitbandzugänge wächst noch weiter an.

Mangelndes Unrechtsbewusstsein
Viele sehen den Datenklau als Kavaliersdelikt wie Finanzamt beschummeln, Falschparken oder Schwarzfahren. Selbst Leute, die im Laden nie eine Musik-CD stehlen würden, kopieren sich CD-weise Musik von Tauschbörsen. 
Alleine und unbeobachtet vor dem heimischen PC fallen aber alle Hemmungen. Es trifft ja "keinen Armen'", sondern "die Großverdiener aus Musik- und Filmbranche, denen ein paar Millionen weniger nicht viel ausmachen".

Tauschbörsen selber sind legal ...
Die Gerichte attestierten den Betreibern der dezentralen Tauschbörsen wie KaZaA, Morpheus und Grokster, nicht gegen das Urheberrecht zu verstoßen,  da es keine zentralen Server gibt, von denen die Nutzer der Tauschbörsen sich Dateien runterladen. Die Nutzer stellen sich untereinander auf ihren Festplatten die Daten zur Verfügung. Ob sie dies legal oder illegal tun, kann dem Betreiber nicht zum Vorwurf gemacht werden.
Auch mit Hilfe von Video-Rekordern, CD-Brennern und Kopiergeräten können illegale Kopien erstellt werden, ohne dass deren Hersteller dafür haftet.
So konnte man KaZaA Lite (das ist KaZaA ohne Spyware) bis Anfang Dezember 2003 umsonst downloaden. Sharman Networks zwang die Anbieter wie http://www.kazaalitesite.com/ oder http://doa2.host.sk/index.htm die kostenlose Verbreitung der Software einzustellen, da sie selber eine werbefreie Version verkaufen will (Stand 2003-12).

... das Tauschen selber ist meist illegal!
Das neue "Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft" vom 13. September 2003 schließt jetzt einige Lücken im deutschen Urheberrecht (Siehe auch Kurs-Seite "Urheberrecht / Copyright"): 
Strafbar macht sich, wer - ganz gleich ob gewerblich oder privat, entgeltlich oder unentgeltlich Daten wie Musik, Filme, Software oder Computerspiele im Internet zum Download anbietet und verbreitet, ohne hierzu berechtigt zu sein.
Oder kennen Sie jemand, der eine Vollmacht des Künstlers vorlegen kann, dessen Werke er in Tauschbörsen anbietet?
Auch dürfen keine Privatkopien aus "offensichtlich illegalen Quellen" angefertigt werden. Damit sind vor allem Tauschbörsen und Peer-to-Peer-Dienste (wie eDonkey, Morpheus oder KaZaA) im Internet gemeint. 

Neues Konsumverhalten
Multimedia-PCs, das Internet und die Tauschbörsen haben den Umgang und den Konsum mit Musik und Film nachhaltig verändert:
Da das Kopieren einer CD mit über eine Stunde Musik nur noch einige Minuten dauert, versorgt man schnell mal seine Schulkameraden und Bekannten mit einer Kopie, die keine Verluste zum Original aufweist. Zeit und Kosten für den Rohling betragen nur noch den Bruchteil einer Musikkassette. 
Die Titel einer CD werden in das MP3-Format konvertiert (in Fachkreisen auch "rippen" genannt). Damit reduziert sich die Datenmenge auf circa 10% der ursprünglichen Größe. Faustregel: 1 Minute MP3 belegt 1 MB. So lässt sich ein Hit von 3 Minuten auch einmal per E-Mail verschicken.
Wenn auf Alben nur 2 von 15 Titeln "gut" sind, sieht man nicht ein die komplette CD zu kaufen. Die 2 Titel lädt man sich lieber von Tauschbörsen. Neue Alben lassen sich via Tauschbörsen auch "Probe hören". Was nicht gefällt wird wieder gelöscht. "Gutes" wird penibel auf der Festplatte archiviert.
Der PC wird zum Bestandteil der Stereoanlage. Für Partys erstellt man seine eigene "Playlist". Musikwünsche können schnell durch Klick auf die gewünschte MP3-Datei realisiert werden, ohne dass einer Berge von CD-Hüllen nach einem bestimmten Titel durchsuchen muss (und dabei wohlmöglich noch zerkratzt!).
Der teure und unpraktische CD-Wechsler im Kofferraum des Autos hat ausgedient. 
Der Inhalt von 10 Audio-CDs passt auch auf eine CD, wenn alle Titel zuvor mit Hilfe von PC und "Ripper"-Programmen in das MP3-Format konvertiert werden. Bei Aldi kauft man sich ein MP3-taugliches Autoradio mit Titelanzeige für unter 100 Euro. 
Die Kinder haben auf den Rücksitzen ihren eigenen portablen, ebenfalls MP3-tauglichen CD-Player (unter 50 Euro) mit einer Kopie eines kompletten Harry-Potter-Hörbuchs mit einer Laufzeit von 11 Stunden auf einer CD. Auch die 20 Stunden von Band 4 passen auf eine CD, wenn man kaum hörbar die Qualität der MP3-Datei etwas reduziert (64 statt 128 kBps).
Der PC wird zum intelligenten Videorekorder. Während der Rest des Film gerade noch  aufgezeichnet wird, kann man den Anfang schon ansehen.
Werbeblöcke werden mit Hilfe von Zusatzdiensten erkannt und entfernt oder gar nicht erst aufgezeichnet. Lästige Werbeunterbrechungen und das Vorspulen entfallen. Statt auf VHS-Kassetten kopiert und archiviert man jetzt seine Filme auf DVD. Auch altes "analoges Material" wird digitalisiert.
Durch eine undichte Stelle gelangt ein neuer Film oder Ausschnitte davon in die Tauschbörsen. Der Kinostart des Films hat, trotz des großen Werbeaufwands, nur wenig Besucher, weil er zuvor schon in Internetkreisen als "grottenschlecht" bewertet wurde. Da will man sich nicht wieder ärgern, eine teure Kinokarte aus Neugier gekauft zu haben.
Zwei Stunden Musik im MP3-Format passen auf einen winzigen Memory-Stick (mit 128 MB) mit USB-Anschluss, der sich auch als Wechseldatenträger verwenden lässt. Das reicht, um seine persönlichen Top-Fourty der Hitparade auf dem Weg zur und von der Arbeit zu hören.
MP3-Memory-Stick

Fazit
Shared FolderAufgrund der Rechtslage geht die Musik- und Filmindustrie in den USA gegen Nutzer von Tauschbörsen vor, in deren "Shared-Folder" sich eine nicht unerhebliche Anzahl von Dateien von urheberrechtlich geschützen Werken findet. 
Die Internet-Provider müssen die Namen solcher Nutzer herausrücken, die dann gerichtliche Vorladungen (Subpoenas) erhalten. So hat es schon Großeltern getroffen, deren Enkel auf Opas PC einen schwunghaften Tauschhandel betrieben.
Wenn die Unterhaltungsindustrie zu aggressiv gegen Kopierer vorgeht (Hausdurchsuchungen, Razzien, Beschlagnahme von Computer und CDs), verprellt sie damit genau diejenigen, die eigentlich zu ihren Kunden gehören sollten. 
Sie hat derzeit noch kein einheitliches und internationales Konzept gefunden, ihre Musik und Filme anwenderfreundlich und zu attraktiven Preisen über das Internet zu vermarkten.
Auch Versuche, Multimedia-Dateien mit einem Kopierschutz zu versehen, sind nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. 
Viele ärgern sich, dass bestimmte Musik-CDs mit Kopierschutz nicht auf einem normalen PC laufen, auch wenn man gar nicht vorhatte, diese zu kopieren. Die "Gegenseite" findet immer wieder ein "Gegenmittel", einen Kopierschutz zu umgehen.
Dies ist übrigens nach neuem deutschen Recht ebenfalls verboten.

Ohne eine internationale einheitliche Gesetzgebung ist dem Problem "Tauschbörsen" nicht beizukommen.
Mal sehen, welche "Geisel des Internets" zuerst mit gesetzlichen Regelungen und Strafverfolgungen erfolgreich bekämpft wird: Spam oder Tauschbörsen? 


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